Kategorie: Der Klimajäger klärt auf
Das Detentionsgründach – das Beste aller Dächer

Andreas Jäger
veröffentlicht am 17.3.2025
An und für sich ist jedes Gründach für sich, egal welcher Bauart, eine unverzichtbare Anpassung an den Klimawandel. Trotzdem gibt es ein spezielles Gründach, das allen anderen überlegen ist - das Detentionsgründach: Das Gründach mit dem regulierbaren Wasserstaukörper. Dieses Dach hält Regen intelligent zurück und lässt nur so viel Wasser abrinnen, wie wirklich notwendig ist. Dieses Rückstauvermögen am Dach wird immer wichtiger, wie der vergangene Winter und eine aufsehenerregende österreichische Studie von weltweiter Bedeutung belegen.
Schneemangel
Der vergangene Winter war nicht nur fast schon gewohnt mild, er war auch einer der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es ist kaum Schnee gefallen, teilweise so wenig, wie noch nie. Zum Beispiel auf der Hohen Warte in Wien: Noch nie, seit Messbeginn 1952, hat es in Döbling so wenig geschneit - alle Neuschneefälle zusammengerechnet, ist über den gesamten Winter genau 1 Zentimeter Neuschnee gefallen. Oder in Deutschlandsberg in der der Steiermark, hier bedeuteten 7cm Neuschneesumme den Minusrekord seit Messbeginn 1984. Aber auch auf den Bergen war die Schneelage weit unterdurchschnittlich: In den Salzburger Tauern auf der Rudolfshütte auf 2317 Meter betrug die maximale Schneehöhe gerade mal 104cm – der Minus-Rekord seit 1963.

Schneemangel: In Österreichs Lagen unterhalb von 1500 Meter Seehöhe herrschte im gesamten Winter 2024/25 (rote Linie) Schneemangel wie selten. Übrigens: Die Abnahme der Schneehöhe von den 1960er Jahren (violette Linien) bis in die 2020er Jahre (gelbe Linien) ist ein weiterer Beweis des Klimawandels. Bild: Geosphere Austria.
Müssen wir einen Dürre-Sommer befürchten?
Wieso ist Schnee im Winter, außer fürs Skifahren, so wichtig für uns? Weil Schnee ein unverzichtbares Wasserreservoir für den Sommer ist. Wenn der Schnee auf den Bergen im Frühjahr schmilzt, schwellen die Flüsse an und führen die höchsten Wasserstände. Wasser, das Äcker, Wiesen und die Natur für den Start in die warme Jahreshälfte dringend benötigen. Und noch eins kommt dazu: Das Schmelzwasser der Schneedecke sickert besonders gut ins Grundwasser und füllt es auf – von diesem Grundwasser leben wir, wenn der Regen im Sommer auslässt.
Erster Vorteil des Detentionsdachs
Der aktuelle Schneemangel auf den Bergen birgt die Gefahr eines trockenen und heißen Sommers. Nun hängt alles davon ab, ob und wieviel Regen die nächsten Monate kommt und das fehlende Schmelzwasser ausgleicht. Umso wichtiger ist es, soviel Regen wie nur irgendwie möglich am Gründach zu retten. Das Detentionsgründach kann das auf Grund seines regulierten Wasserkörpers am besten – und dadurch kann es uns im Sommer am längsten vor brütender Hitze schützen. Aber das ist noch nicht alles.
Neue Studie betätigt: Mehr Starkregen in Österreich
Vor wenigen Tagen ist eine aufsehenerregende Studie aus Österreich im internationalen renommierten Fachmagazin „Nature“ erschienen. Drei österreichische Forschungseinrichtungen – Geosphere Austria, Technische Universität Wien und Universität Graz – haben sich des österreichischen Datenschatzes aus Regenmessungen und Wasserständen von Flüssen der vergangenen 120 Jahre angenommen.
Das Ergebnis ist eindeutig und von weltweiter Bedeutung: An einem 24 Stunden Regentag fällt im Mittel um 8% mehr Regen als noch vor 40 Jahren. Noch dramatischer ist es bei einstündigen Wolkenbrüchen, wie sie bei Gewittern typisch sind. Sie haben um 15% zugenommen. Das hat die Gefahr für reißende Bäche, überflutete Keller und kleinräumige Murenabgänge dramatisch erhöht. Vergangenen Sommer bekam man das zum Beispiel in St. Anton am Arlberg zu spüren, als ein verheerender Wolkenbruch eine gewaltige Mure auslöste, die 35 Häuser meterhoch mit Schlamm und Geröll füllte und Straßen und Brücken beschädigte.

Zusammenhang zwischen Extremen Stundenwerten des Regens (blau) und der Temperatur (rot): lokale Wolkenbrüche mit der Dauer von einer Stunde bringen im Vergleich zu den 1980er Jahren um 15% mehr Regen. Bild: Nature Magazin.
Die Ursache der stärkeren Wolkenbrüche liegt in der Temperaturzunahme der vergangenen Jahrzehnte. Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen – und dementsprechend kann es mehr wie aus Schaffeln gießen. Der Paarlauf zwischen der roten Temperaturkurve und der blauen Regenkurve auf der Grafik der neuen Studie war genauso zu erwarten.
Zweiter Vorteil des Detentionsdachs
Die immer stärkeren Wolkenbrüche wirken sich vor allem kleinräumig aus. Straßen und versiegelte Betonflächen, aber auch Steildächer leiten den sintflutartigen Regenschauer ungebremst in die Kanäle. Als Folge quellen Gerinne über und Bäche werden zu reißenden Flüssen.
Abhilfe kann hier von baulicher Seite das „Schwammstadtprinzip“ schaffen. Wolkenbrüche sollen sich an so vielen Stellen wie möglich sammeln können und nicht in die Kanalisation fließen. Genau das können Detentionsgründächer mit ihren Staubecken. Sie sind daher ein unverzichtbarer Teil der Lösung.
Fazit
Der fehlende Schnee in den Bergen lässt einen trockenen, heißen Sommer befürchten. Nichtsdestotrotz zeigt eine neue Studie, dass Regen öfter gefährlich wird als früher noch vor 40 Jahren. Das Detentionsgründach mit regulierbarem Wasserstaubereich ist für beide Probleme die perfekte Lösung.